Sozialversicherungen

Wie Sie bei Krankheit und Unfall versichert sind, wer Familienzulagen erhält und wie Sie für das Leben nach der Pensionierung sparen können – Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie in der Rubrik Sozialversicherungen.


1. Wie funktioniert die Alters-und Hinterlassenenversicherung (AHV)?

Die Abkürzung AHV steht für Alters- und Hinterlassenenversicherung. Sie wurde 1948 eingeführt und ist die wichtigste Sozialversicherung in der Schweiz.

Mit den Altersrenten trägt die AHV dazu bei, den Versicherten nach der Pensionierung (Austritt aus dem Erwerbsleben) einen materiell gesicherten Ruhestand zu gewährleisten. Das Rentenalter beginnt in der Schweiz für Frauen mit 64, für Männer mit 65 Jahren. Dank den Hinterlassenen­renten hilft die AHV auch mit, dass Ehepartner und Kinder nach dem Tod des Versorgers oder der Versorgerin nicht in finanzielle Not geraten.

Die AHV basiert auf dem Grundgedanken der Solidarität. Die beruflich aktive Bevölkerung finanziert jeweils die laufenden Renten und vertraut darauf, dass spätere Generationen das ebenfalls tun werden. Die Versicherung ist ab dem 18. Lebensjahr für alle in der Schweiz wohnhaften, erwerbstätigen Personen obligatorisch. Finanziert wird die AHV aus den vom Lohn abgezogenen Beiträgen der Arbeitnehmenden, den Beiträgen der Arbeitgebenden, vom Bund und den Kantonen.

Wer kurz vor der Pensionierung steht, sollte sich drei bis vier Monate vor dem Erreichen des Rentenalters bei der zuständigen Ausgleichskasse anmelden. Bei Fragen helfen die Gemeindezweigstellen der Ausgleichskassen weiter.

Die Webseite www.ch.ch gibt zu vielen Fragen der AHV Auskunft.

Auch die Ausgleichskasse des Kantons Obwalden hilft bei Fragen weiter. Sie befindet sich an der Brünigstrasse 144 in 6061 Sarnen.

Tel:            041 666 27 50
Fax:           041 666 27 51
E-Mail:       info(at)akow.ch
Website:    www.akow.ch

2. Wofür ist die Invalidenversicherung (IV) da?

Die Abkürzung IV steht für Invalidenversicherung. Sie ist neben der AHV eine weitere wichtige Sozialversicherung in der Schweiz. Als invalid gilt jemand, wenn er oder sie wegen eines körperlichen, psychischen oder geistigen Gesundheitsschadens bleibend oder für längere Zeit (mindestens ein Jahr) nicht mehr oder nur noch teilweise arbeiten kann.

Die IV hat in erster Linie die Aufgabe, die betroffenen Versicherten wieder ins Erwerbsleben zu integrieren. Dazu dient eine ganze Reihe von Eingliederungsmassnahmen. Erst wenn diese nicht zum Ziel führen, bezahlt die IV den Versicherten eine Rente.

Weitere Informationen zur Invalidenversicherung finden Sie unter www.ch.ch und bei der IV-Stelle des Kantons.

3. Wer und was ist bei einer Unfallversicherung versichert?

Die Unfallversicherung übernimmt die Kosten für die ärztliche Behandlung nach einem Unfall. Ausserdem bezahlt sie bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit ein Taggeld (Lohnersatz) bzw. Rentenleistungen bei dauernder Erwerbsunfähigkeit und im Todesfall.

Alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind gegen Unfall versichert.

 

  • Sie arbeiten acht Stunden oder mehr pro Woche bei einer Arbeitgeberin oder einem Arbeitgeber: Dann sind Sie gegen Berufsunfälle und gegen so genannte Nichtberufsunfälle (Unfälle auf dem Arbeitsweg und in der Freizeit) versichert.
  • Sie arbeiten weniger als acht Stunden pro Woche bei einer Arbeitgeberin oder einem Arbeitgeber: Dann sind Sie nur gegen Berufsunfälle und gegen Unfälle auf dem Arbeitsweg versichert. Für Unfälle in der Freizeit (z.B. im Haushalt) müssen Sie eine Unfallversicherung bei der Krankenkasse abschliessen.
  • Arbeitslose Personen, die Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung haben, sind obligatorisch versichert.

 

Nicht versichert sind nicht erwerbstätige Personen, z.B. Hausfrauen und -männer, Kinder, Studierende, Rentnerinnen und Rentner oder ausgesteuerte Arbeitslose. Diese Personen müssen obligatorisch eine Unfallversicherung bei der Krankenkasse abschliessen.

So gehen Sie bei einem Unfall vor: Melden Sie den Unfall immer sofort Ihrer Arbeitgeberin bzw. Ihrem Arbeitgeber oder der Krankenkasse. Das Formular dafür erhalten Sie bei der Arbeitgeberin bzw. beim Arbeitgeber oder bei Ihrer Krankenkasse.

4. Wie ist die Arbeitslosenversicherung (ALV) organisiert?

Wer in der Schweiz eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausübt, also einen Lohn bezieht, ist gegen Arbeitslosigkeit versichert. Der Versicherungsbeitrag wird direkt vom Lohn abgezogen und ist auf dem Lohnausweis ersichtlich. Die Arbeitslosenversicherung bezahlt den versicherten Personen eine Arbeitslosenentschädigung bei Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Arbeitsausfällen infolge schlechten Wetters und bei Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers. In der Regel werden 70 Prozent des versicherten AHV-pflichtigen Lohns als Arbeitslosenentschädigung ausgezahlt. 80 Prozent des versicherten AHV-pflichtigen Lohns werden ausgezahlt, wenn man Kinder hat, weniger als 4000 Franken verdient oder invalid ist. Selbständige können sich in der ALV nicht versichern.

Um Arbeitslosenentschädigung zu erhalten, müssen Sie sich zuerst beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum RAV anmelden. Dies sollten Sie tun, sobald Sie erfahren, dass Ihnen beispielsweise gekündigt wird, also schon bevor Sie arbeitslos werden. Falls Sie noch bei keiner Arbeitslosenkasse sind, können Sie das dort erledigen.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Arbeitslosenversicherung.

5. Wer und was ist in der Krankenversicherung (KV) versichert?

Jede in der Schweiz wohnhafte Person muss sich obligatorisch bei einer Krankenkasse bzw. Krankenversicherung versichern. Die Anmeldefrist beträgt drei Monate nach Geburt oder Zuzug in die Schweiz. Mit der Krankenkasse sind Sie für Kosten im Krank­­heitsfall, bei Mutterschaft oder bei einem Unfall versichert. Das heisst, Sie müssen nur einen kleinen Teil der Kosten für Arztbesuche, Spitalaufenthalte oder bestimmte Medikamente bezahlen. Den Rest bezahlt die Krankenkasse.

Obligatorisch ist die so genannte Grundversicherung. Krankenkassen müssen jede Person unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand in die Grundversicherung aufnehmen. Die Versicherten können ihre Krankenkasse frei wählen.

Alle sind in der Grundversicherung für die gleiche Leistung versichert. Je nach Krankenkasse und Versicherungsmodell ist diese aber unterschiedlich teuer. Zu den Leistungen der Grundversicherung gehören zum Beispiel die Behandlung in Arztpraxis und Spital, ärztlich verordnete Medikamente und Laboruntersuchungen, Psycho- und Physiotherapie, Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft, Impfungen, Gesundheitsuntersuchungen für Kinder sowie Teilkosten bei Notfalltransporten. Nicht versichert durch die Grundversicherung sind gewöhnliche Zahnbehandlungen.

Sie können freiwillig eine Zusatzversicherung abschliessen und müssen dafür mehr Prämie bezahlen. Damit werden zusätzliche Leistungen bezahlt.

Hier finden Sie eine Aufstellung aller Leistungen der Grundversicherung.

Der Gesundheitswegweiser Schweiz hilft Migrantinnen und Migranten, sich im schweizerischen Gesundheitssystem zurechtzufinden. Er ist in verschiedenen Sprachen erhältlich.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Krankenversicherung.

6. Wie ist die berufliche Vorsorge (2. Säule) geregelt?

Um die AHV-Rente aufzustocken, gibt es die zweite Säule, die berufliche Vorsorge. Sie funktioniert nach dem Prinzip des Vorsorgesparens: Sie bezahlen Beiträge ein und erhalten ab der Pensionierung eine Rente, die sich nach den einbezahlten Beträgen richtet.

Die vielen verschiedenen Pensionskassen und Versicherungen organisieren die berufliche Vorsorge. Analog zur AHV sind alle angestellten Arbeitnehmenden obligatorisch bei einer Pensionskasse versichert. Es gibt aber auch Ausnahmen, zum Beispiel wenn Sie weniger als 21'060 Franken im Jahr verdienen (gilt für 2013-2014). Für Selbständige ist die berufliche Vorsorge nicht obligatorisch, sie können sich aber freiwillig einer Pensionskasse anschliessen. Vielfach organisieren Branchenverbände für Selbständige eine solche Kasse.

Hier finden Sie weitere Informationen zur beruflichen Vorsorge.

7. Welche Möglichkeiten der privaten Säule (3. Säule) habe ich?

Neben der AHV und der zweiten Säule gibt es die private Vorsorge, die dritte Säule. In der dritten Säule (genauer: in der Säule 3a) kann man freiwillig Geld für das Leben nach der Pensionierung sparen. Der Staat fördert dieses Sparen mit Steuervergünstigungen, allerdings nur begrenzt.

Hier finden Sie die Höhe der jährlichen Beiträge und weitere Informationen zur dritten Säule.

Wenn Sie monatlich Quellensteuern bezahlen, können Sie bei der Steuerverwaltung Obwalden eine Tarifkorrektur für die geleistete Einzahlung in die Säule 3a beantragen.
Hier finden Sie das Formular, mit dem Sie bis spätestens 31. März des Folgejahres den Steuerabzug geltend machen können. 

8. Was ist die Mutterschaftsversicherung?

In der Schweiz existiert eine gesetzlich vorgeschriebene Mutterschaftsversicherung: Das heisst, erwerbstätige Mütter bekommen nach der Geburt während 14 Wochen einen Urlaub und erhalten 80 Prozent des durchschnittlichen Lohns (auch Mutterschaftsentschädigung oder Mutterschaftsurlaub genannt). Ein gesetzlicher Vaterschaftsurlaub existiert in der Schweiz nicht. Einzelne Arbeitgebende (z.B. die öffentliche Verwaltung einzelner Kantone) gewähren Vätern nach der Geburt einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von einigen Wochen. Nähere Informationen dazu erhalten Sie bei Ihrer Arbeitgeberin, Ihrem Arbeitgeber oder hier

Weitere Informationen zur Mutterschaftsentschädigung und zum Schutz der Arbeitnehmerin während der Mutterschaft finden Sie hier und hier.

9. Wer bekommt Familienzulagen?

Anspruch auf Familienzulagen haben Arbeitnehmende mit einem AHV-pflichtigen Einkommen von mindestens Fr. 7‘050.00 pro Jahr, bzw. Fr. 587.00 pro Monat. Auch Selbständigerwerbende bekommen Familienzulagen

Im Kanton Obwalden erhalten Sie für Kinder bis zu 16 Jahren eine Kinderzulage von 200 Franken je Kind und Monat. Für Kinder von 16 bis 25 Jahren, die in Ausbildung sind, steht Ihnen eine Ausbildungszulage von 250 Franken je Kind und Monat zu. Sie müssen bei Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber einen Antrag auf Familienzulagen stellen.

Auf der Website www.akow.ch finden sie nähere Informationen.

10. Habe ich Anspruch auf Prämienverbilligung der Krankenkasse?

Wer in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, erhält einen finanziellen Beitrag an die Prämien für die obligatorische Krankenversicherung – die individuelle Prämienverbilligung.

Die individuelle Prämienverbilligung ist ein Geschäft des Kantonalen Gesundheitsamtes. Ab 1.1.2014 wird die Prämienverbilligung direkt an die Krankenkasse ausbezahlt. Damit soll verhindert werden, dass die Prämienverbilligung anderweitig verwendet wird.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Gesundheitsamtes und auf dem Infoblatt Prämienverbilligung 2015.