Erziehung

Eine gute Erziehung ist grundlegend für das Leben Ihres Kindes. Wie hoch das Taschengeld für Kinder sein soll, wie viel Zeit fürs Computerspielen und Fernsehen angemessen ist und was es für ein Kind bedeuten kann, in einem anderen Land aufzuwachsen – Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie in der Rubrik Kinder: Erziehung.



1. Worauf muss ich bei der Erziehung meines Kindes achten?

Überall auf der Welt brauchen Kinder Liebe und Geborgenheit, um sich gut entwickeln zu können. Deshalb gleicht sich die Erziehung in vielen Punkten, unabhängig davon, wo ein Kind aufwächst. Kinder brauchen Erwachsene, die sich Zeit nehmen, mit ihnen sprechen und zuhören. Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen Mut machen Neues zu probieren oder sie aufmuntern, wenn etwas schwierig ist und Durchhaltewillen braucht. Kinder brauchen auch Vorbilder, die ihnen zeigen, wie man Konflikte austragen und sich wieder versöhnen kann.

Eltern müssen Kinder vor Gefahren schützen, die sie noch nicht einschätzen können. Sie setzen den Kindern deshalb Grenzen, beispielsweise, in dem sie für das Kind klare Regeln aufstellen. Es ist aber auch wichtig, dass ein Kind in gewissen Bereichen selber entscheiden lernt, was gut ist und was nicht. Es soll auch lernen, eine eigene Meinung zu entwickeln und klar «ja» oder «nein» zu sagen.

Nehmen Sie die Gefühle und Gedanken Ihres Kindes von klein auf ernst. Machen Sie ihm Mut, sich auszudrücken. Geben Sie gewisse Freiräume, wo das Kind selber entscheiden darf. So könen Kinder Selbstvertrauen und Entscheidungsfähigkeit entwickeln und so werden sie in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

2. Ich habe Fragen zur Erziehung meiner Kinder. Kann mir jemand helfen?

In der Schweiz existiert eine grosse Palette von Angeboten, die für Eltern, Familien und Kinder Unterstützung anbieten. Die Beratungen sind meist kostenlos.

Die  Mütter- und Väterberatung des Kantons Obwalden befindet sich in Sarnen. Dort finden Sie Fachleute für Fragen zur Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. «Was ist die ideale Ernährung für mein Kind? Warum weint mein Kind so viel? Entwickelt sich unser Kind seinem Alter entsprechend?» Auf diese und viele weitere Fragen erhalten Sie bei der Mütter- und Väterberatung Auskunft.

Mütter- und Väterberatung Obwalden
Brünigstrasse 114
6060 Sarnen
Tel. 041 662 90 90
www.spitexow.ch

Die Schulsozialarbeiter/-innen und der schulpsychologische Dienst sind für die Schulen, die Schulkinder, die Jugendlichen und deren Familien zuständig. Sie beraten bei Lernschwierigkeiten, bei Verhaltensauffälligkeiten oder schulischen Laufbahnfragen und empfehlen unterstützende Massnahmen.

Schulpsychologischer Dienst Obwalden
Brünigstrasse 178
6060 Sarnen
Tel. 041 666 62 55
spd@ow.ch

Einfache Erklärungen mit vielen Tipps bieten die «Pro Juventute-Elternbriefe». Von der Geburt bis zum 6. Lebensjahr erhalten Sie regelmässig Informationen, die sich auf das Alter und die aktuellen Entwicklungsschritte des Kindes beziehen. Für fremdsprachige Eltern hat Pro Juventute die Broschüre «Unser Kind» in den Sprachen Albanisch, Bosnisch / Kroatisch / Serbisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Tamilisch und Türkisch entwickelt. Auch diese Broschüren umfassen den Zeitraum von der Geburt bis zum 6. Altersjahr, jeweils eine Broschüre pro Jahr.

Die Jugend- und Elternberatung in Sarnen kann Ihnen in Problemsituationen weiterhelfen. Bei Bedarf können interkulturelle Übersetzer/-innen oder KulturvermittlerInnen beigezogen werden.

Bei Fragen, die Ihre Kinder betreffen, können Sie sich an die folgenden Stellen wenden. Sie erhalten dort kostenlos Hilfe und Beratung:

Jugend- und Elternberatung Obwalden (Beratung von Jugendlichen und ihren Eltern in Problemsituationen)
Dorfplatz 4
6060 Sarnen
Tel. 041 666 62 56
jugendberatung(at)ow.ch 

Suchtberatung
Dorfplatz 4
6060 Sarnen
Tel. 041 666 64 60
suchtberatung(at)ow.ch

Pro Juventute

Elternnotruf

Auf der Familienwebsite des Kantons Obwalden finden Sie Informationen rund um das Leben als Familie in Obwalden. Nützliche Adressen in Obwalden, Links, Downloads und Lesetipps. Die Informationen sind nach Familienphase und innerhalb der Familienphase nach Themen gegliedert.

Möchten Sie die Entwicklung Ihres Kindes fördern, es in seinem Lerndrang stärken – spüren aber, dass Sie Unterstützung brauchen? Hier hilft Ihnen das Frühförderungsprogramm „Zäme uf ä Wäg“

„Zämä uf ä Wäg“ (Frühförderung von Kleinkindern bis 3½ Jahre)
Fachstelle Gesellschaftsfragen
Familienförderung
Dorfplatz 4
6060 Sarnen
Tel. 041 666 60 62

3. Mein Kind wächst in der Schweiz auf. Ich selber bin nicht hier aufgewachsen. Was heisst das für die Erziehung?

Ihr Kind wächst in der Schweiz auf. Aber seine Wurzeln reichen auch in Ihr Herkunftsland zurück. Deshalb ist es gut, wenn es die Regeln des Zusammenlebens und die Bräuche aus Ihrer Kultur kennen lernt.

Gleichzeitig sollte es jedoch auch lernen, sich im Schweizer Umfeld zu Recht zu finden. Es ist nicht immer einfach, ein gutes Gleichgewicht zu finden. Natürlich gleicht sich die Erziehung in vielen Punkten, unabhängig davon, wo ein Kind aufwächst.

Je nach Umfeld, in dem ein Kind aufwächst, muss es andere Fähigkeiten entwickeln. Wir leben heute in der Schweiz in einer Gesellschaft, in der die Menschen ihr Leben ganz unterschiedlich gestalten können. Es gibt viele Wahlmöglichkeiten und Ihr Kind begegnet hier sehr verschiedenen Impulsen und Modellen.

Vielleicht mehr als Sie damals in Ihrer Kindheit muss ein Kind heute lernen, selbständig zu sein, Entscheide zu treffen, Verantwortung für sich selber zu übernehmen und wenn nötig auch Nein zu sagen. So kann es sich auch besser schützen, wenn es in eine schwierige Situation gerät.

Es ist deshalb wichtig, dass Ihr Kind ein Gespür entwickelt: «Das stimmt für mich. Das stimmt für mich nicht. Da will ich mitmachen. Da will ich nicht mitmachen.» Zudem braucht Ihr Kind Mut und Selbstvertrauen, um zur eigenen Meinung zu stehen, auch wenn es Jugendlichen begegnet, die vielleicht anders denken.

4. Wie soll ich mein Kind bestrafen, wenn es nicht auf mich hört?

In allen Familien kommt es manchmal vor, dass die Kinder nicht gehorchen. Es ist gut, wenn Sie darauf reagieren. Sie dürfen auch einmal laut werden. Aber was immer es war, zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es als Mensch achten. Sätze wie «Du bist wirklich nichts wert!» zerstören sein Vertrauen in sich selber.

Auch Schläge und leere Drohungen sind keine Erziehungsmittel. Gewalt an Kindern ist in der Schweiz verboten. Bei langen Predigten schalten die Kinder und Jugendlichen bald einmal ab und hören gar nicht mehr richtig zu.

Zeigen Sie ruhig Ihren Ärger, aber sprechen Sie nicht lange auf Ihr Kind ein. Ein klares «Ich will nicht, dass du das machst! Hast du das verstanden?» bringt mehr. Erinnern Sie an die vereinbarten Abmachungen und Regeln. Sagen Sie auch, was die Konsequenzen sind, wenn die Regeln gebrochen werden. Das Kind darf vielleicht ein paar Tage lang nicht Fernsehen oder der Jugendliche darf am nächsten Samstag nicht in den Ausgang.

Natürlich werden sie sich über solche Konsequenzen ärgern. Lassen Sie sich dadurch nicht unter Druck setzen. Denken Sie daran: Klare Regeln geben Ihrem Kind Halt und Orientierung.

5. Wie viel Freiheit und wie viele Grenzen braucht mein Kind?

Kinder brauchen Freiräume, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen machen können: beim Spielen, allein oder mit anderen Kindern und später im Zusammensein mit Freunden. Sie brauchen aber auch Grenzen als Schutz und als Orientierung.

Ein kleines Kind kann Gefahren noch nicht einschätzen. Es braucht Erwachsene, die ihm sagen, dass es nicht mit der Steckdose spielen, eine heisse Herdplatte berühren oder ins Auto von fremden Leuten einsteigen darf. Später bilden die Grenzen, die Sie ihm setzen, mehr eine Art Rahmen, in dem sich Ihr Kind frei bewegen kann. Sie können Ihr Kind ja nicht immer begleiten und beschützen. Es muss lernen, sich selbständig zu bewegen.

Die Regeln und Grenzen müssen im Lauf der Zeit immer wieder neu angepasst werden. Das braucht viele Gespräche mit dem Kind. Es wird die Regeln besser einhalten, wenn es sie versteht.

Zuviel Freiheit und Verantwortung überfordert die Kinder. Zuwenig Freiheit und Verantwortung nimmt ihnen die Möglichkeit, aus eigener Kraft Lernschritte zu machen, die für ihr späteres Leben wichtig sind.

Sie kennen Ihr Kind am besten. Nehmen Sie sich Zeit, um ihm zuzuhören und mit ihm über seine Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen. So können Sie auch spüren, in welchen Bereichen es schon bereit und fähig ist, Verantwortung für sich zu übernehmen und wo es noch einen engeren Rahmen braucht.

6. Mein Kind sagt häufig: «Alle anderen dürfen das, nur ich nicht!» Wie soll ich darauf reagieren?

Fast alle Kinder setzen ihre Eltern mit solchen und ähnlichen Sätzen unter Druck. Das Wort «Alle» stimmt bei Regeln und Grenzen nie, weil jede Familie ihre eigenen Regeln finden muss.

Sagen Sie Ihrem Kind deshalb ruhig: «Aber ich will das so!» Oder: «Bei uns ist es so!» Erklären Sie wenn möglich auch, weshalb Sie es so haben wollen.

Eltern, die ihren Kindern Grenzen setzen, sind weder schlecht noch lieblos. Sie nehmen im Gegenteil ihre Verantwortung ernst. Vielleicht können Sie mit den Eltern der wichtigsten Freunde Ihres Kindes gemeinsame Regeln vereinbaren. Zum Beispiel, wie lange die Jugendlichen am Samstagabend im Ausgang sein dürfen.

7. Wie viel Taschengeld gebe ich meinem Kind?

8. Mein Kind sitzt gerne vor dem Fernseher oder spielt Computer-Games. Schadet ihm das?

Häufiges Fernsehen und Computerspielen kann zu Konzentrationsproblemen führen. Auch die Leistung in der Schule wird negativ beeinflusst. Kinder verlernen unter Umständen, mit gleichaltrigen Kindern etwas zu unternehmen oder sich zum Zeitvertreib selber etwas auszudenken. Nicht selten müssen sie dabei durch eine Phase der Langeweile. Das kann eine wichtige Erfahrung sein. Auch können daraus kreative Ideen entstehen. Kurz: Kinder mit hohem Medienkonsum können passiv werden und viele wichtige Gelegenheiten für ihre gesunde Entwicklung verpassen.

Fernsehen und Games sind aber nicht nur schädlich. Es gibt spannende und lehrreiche Fernsehsendungen. Und bei den Games finden sich Spiele, welche die Geschicklichkeit und das Denken fördern. Es ist wichtig, dass Sie klare Regeln abmachen, wann und wie lange Ihr Kind fernsehen oder gamen darf.

Die Elternbildung Schweiz gibt für den Medienkonsum von Kindern folgende Richtwerte vor:

  • 1. bis 3. Klasse: ca. 30 Minuten pro Tag
  • 4. bis 6. Klasse: ca. 1 Stunde pro Tag
  • Oberstufe: ca. 2 Stunden pro Tag

 

Sowohl beim Fernsehen als auch bei Games gilt: Eltern sollten wissen, was ihr Kind schaut oder spielt. Nur so können sie überprüfen, ob die Sendungen oder Games dem Alter des Kindes angemessen sind. Bei Fragen kann mit den zuständigen Schulsozialarbeitern der Gemeinde (falls vorhanden) Kontakt aufgenommen werden.

Weitere Links zum Thema:

www.elternet.ch: informative Website, die Eltern in der Medienerziehung ihrer Kinder unterstützen möchte.

www.jugendundmedien.ch: informative Website, die nützliche Tipps betreffend Jugendliche und Medien erteilt.

9. Ich will nicht, dass mein Kind später, wenn es grösser ist, mit anderen Jugendlichen Alkohol oder Drogen konsumiert. Was kann ich dagegen tun?

Alle Jugendlichen können früher oder später in Situationen geraten, in denen ihnen Alkohol oder Drogen angeboten werden. Da ist es wichtig, dass sie sich abgrenzen und Nein sagen können. Der beste Schutz besteht deshalb darin, dass Ihr Kind Mut, Selbstvertrauen und Selbstverantwortung entwickelt. Mit Kindern muss man altersgerecht über Drogen und Alkohol reden – es ist sehr wichtig, dass sie wissen, dass Drogen und Alkohol existieren und missbraucht werden können. Bei grösseren Kindern lohnt es sich, mit ihnen über die Schädlichkeit von Tabak, Alkohol und Drogen zu sprechen. Sachliche Informationen helfen mehr als Drohungen.  Bei Fragen können Sie sich an die Suchtberatung Obwalden suchtberatung(at)ow.ch wenden. Auf der Website Sucht Schweiz finden Sie weitere Informationen sowie Angaben zum Beratungstelefon.